Diablo 4 Test

Diablo 4 Test

Himmlischer Genuss oder höllisches Spektakel – Diablo 4 öffnet für mutige Helden seine Tore und lädt die wagemutigen Kämpfer ein, die verwüsteten Landstriche von Sanktuario zu erkunden. Eine mörderische Dämonenbrut hat es sich dort gemütlich gemacht und will die dort lebenden Menschen restlos vernichten. Aber lohnt es sich überhaupt, sich ins Gefecht ums Überleben zu stürzen? Oder sollten Spieler um Diablo 4 lieber einen weiten Bogen machen?

Story: Von Rache getrieben

Die Story des Hack-and-Slay-Games Diablo 4 dreht sich um die Dämonin Lilith, die 50 Jahre nach dem Ende von Reaper of Souls, dem Abschluss von Diablo III, die Welt von Sanktuario wieder unsicher macht. Schließlich handelt es sich bei ihr um keiner geringeren als die Tochter von Mephisto, der Herr des Hasses. Lilith scheinbarer Gegenspieler ist der Engel Inarius, wobei beide gleichzeitig auch die Schöpfer von Sanktuario sind. Ausgerechnet am Kampf des ehemaligen Paars entscheidet sich das Schicksal der Menschheit.

Lilith mit ihrem Schergen als Oberbösewicht in Diablo 4

Diablo 4 liefert den Spielern mit dieser auf sechs Akte aufgeteilte Hintergrundgeschichte direkt eine starke, durchtriebene Gegenspielerin, die die Helden zur Strecke bringen müssen. Im Vergleich zum direkten Vorgänger Diablo 3 ist die Story deutlich spannender erzählt und verblast nicht innerhalb der ersten Spielstunden direkt.

Gameplay: Gewohntes Prinzip mit neuen Kniffen

Wie auch schon in den Vorgängern dürfen die Spieler zu Beginn ihres Abenteuers eine von fünf Charakterklassen auswählen, um sich mit ihrem Helden bzw. ihrer Heldin durch die Welt von Sanktuario zu kämpfen. Die Auswahl liegt wieder zwischen Barbaren, Totenbeschwörern, Jägern, Druiden und Magiern und jede Klasse hat ihre eigenen Fähigkeiten, welche sich mit der Zeit freischalten lassen. Hier setzt Diablo 4 wie auch schon der Vorgänger relativ früh den Rotstift an und begrenzt das normale Spieler-Level auf Stufe 50. Darüber hinaus können Spieler dann wieder Paragon-Punkte erreichen, um zusätzliche Steigerungen ihrer Charakterwerte zu erhalten.

Das etwas niedrige Levelcap hat direkt Auswirkungen auf die Spielweisen in dem Game. Es ist den Spielern nämlich nicht möglich, alle Skills freizuschalten, sodass sie sich früher oder später entscheiden müssen, in welche Richtung sie mit ihren Helden gehen möchten. Ohnehin ist das Spiel so ausgelegt, dass jeder Charakter nur sechs aktive Fähigkeit gleichzeitig nutzen kann. Bei den sehr ausführlichen Skill-Trees kann die Auswahl der Fähigkeiten grade im Endgame schwerfallen.

Nur einen kleinen Teil des Skill-Tree der Klasse Totenbeschwörer
Nur einen kleinen Teil des Skill-Tree der Klasse Totenbeschwörer

Allerdings kommt Diablo 4 den Spielern hier etwas entgegen und erlaubt ein relativ einfaches Umskillen. Das Zurücksetzen der Fähigkeitspunkte kostet zwar Gold, ist aber jederzeit möglich und bietet so die Möglichkeit, mit den unterschiedlichen Fähigkeiten zu experimentieren, um den passenden Spielstil zu finden.

Links, rechts, geradeaus

Die Spielwelt von Diablo 4 ist sehr groß und im Vergleich zu den Vorgängern auch nahezu frei erkundbar. Das ist eine willkommene Abwechslung im Vergleich zu der vorherigen Kopplung einzelner kleinerer Welten an Story-Abschnitte. Die Spieler können in nahezu jede Richtung gehen und stoßen immer wieder auf kleine Dungeons, Nebenquests oder spezielle Events, an denen sie sich die Zähne ausbeißen können.

Die Kämpfe in Diablo 4 werden vor allem später anspruchsvoll und spannend
Die Kämpfe in Diablo 4 werden vor allem später anspruchsvoll und spannend

Um den Erkundungsspaß zu fördern, gibt es in den unterschiedlichen Arealen immer mal wieder die bereits bekannten Teleporter-Punkte und außerdem können Spieler diverse Shortcuts finden, die Gegenden miteinander verbinden. Somit ist es nicht immer wichtig, ob man an der Weggabelung nach links oder nach rechts geht, weil die Wege häufig zum gleichen Ziel führen.

Da die Laufwege trotzdem noch recht weit sind, bekommen die Spieler in Diablo 4 zum ersten Mal die Möglichkeit, sich ein Reittier zuzulegen. Allerdings steht ihnen diese Option nicht zu Beginn zur Verfügung, sondern wird erst nach einigen Stunden Spielzeit und einem gewissen Vorankommen in der Story ermöglicht.

Reittier Diablo 4
Reittier Diablo 4

Mehr Futter für Helden

Auch jenseits der ca. 20 Stunden bis 25 Stunden langen Hauptquestreihe finden die Spieler genug Dinge, die es in Diablo 4 zu erledigen gilt. Spannend sind beispielsweise die globalen Bosse, die nur zu bestimmten Zeiten auftauchen und richtig knackig schwer sind. Wer sich alleine so einem Monster stellt, hat keine Chance! Nur gemeinsam mit anderen Spielern lassen sich diese Events überleben.

Einer der Weltbosse in Diablo 4 - Der Wandernde Tod
Einer der Weltbosse in Diablo 4 – Der Wandernde Tod

Genauso können Spieler auf die sogenannten Felder des Hasses gehen, um in abgesteckten Arealen PvP-Kämpfe zu bewerkstelligen. Es gibt tägliche Herausforderungen, mit denen bessere Ausrüstung erfarmt werden kann. Oder man nimmt es sich als Ziel, jeden der über 100 unterschiedlichen Dungeons zu besuchen, um so das Ansehen in den Regionen zu steigern und neue Buffs freizuschalten. Bei den ganzen Möglichkeiten ist es schon schade, dass das Levelcap eher niedrig angesiedelt ist und man ab einem gewissen Punkt im Spiel nicht mehr so großen Wert auf die Erfahrungen oder Belohnungen setzt, wie es noch bei Diablo 2 der Fall gewesen ist.

Grafische Rückbesinnung

Diablo 4 präsentiert sich in einem deutlich düsteren und bedrückenderen Look, als es Diablo 3 getan hat. Damit geht das Spiel vom Design her wieder den gleichen Weg wie Diablo 2, was sich viele Fans der Reihe auch gewünscht haben.

Endlich wieder düstere Atmosphären - Diablo 4 besinnt sich wieder auf alte Stärken
Endlich wieder düstere Atmosphären – Diablo 4 besinnt sich wieder auf alte Stärken

Der Detailgrad gerade in den Städten und in den Dungeons ist wieder einmal sehr gelungen und verstärkt das Gefühl der Beklemmung noch zusätzlich. Das Gleiche gilt auch für die Zwischensequenzen, die die Story des Spiels vermitteln. Allerdings lässt sich hier anmerken, dass die Grafik in den Cutscenes nicht den gleichen Wow-Effekt hat, wie es beispielsweise bei Diablo 2 noch der Fall gewesen ist. An einigen Stellen wirkt sie sogar etwas zu einfach, was eher an der Mimik der menschlichen Charaktere bemerkbar ist. Die Dämonenbrut um Lilith herum und die Tochter des Hasses selbst sind dagegen auch in den Zwischenszenen optische Leckerbissen geworden, die sich nahtlos in die Reihe von Diablo, Mephisto und Co. einreihen können.

Rundes Klangerlebnis

Soundtechnisch geht Diablo 4 kein Risiko ein und verlässt sich lieber auf vertraute Elemente, statt große Experimente zu wagen. Die Soundkulisse in den Kämpfen klingt vertraut wuchtig und die unterschiedlichen Schergen der Hölle machen sich durch ihre Kampfschreie oder Todeslaute bemerkbar. Die Erkundungstouren durch Sanktuario werden durch melodische Klänge untermalt, die dem ganzen Abenteuer einen zusätzlichen epischen Anstrich verleihen.

Besonders gelungen ist aber die Synchronisation der einzelnen Charaktere in den unterschiedlichen Sprachen. Die Stimmen der unterschiedlichen Figuren wirken nie aufgesetzt oder albern und sind sowohl im englischen Original als auch in anderen Sprachausgaben durchaus treffend gewählt.

Fazit

Wer die Spielreihe verfolgt, der bemerkt schnell, dass Diablo 4 sich die Kritikpunkte von Fans gerade am direkten Vorgänger zu Herzen genommen hat. Es gibt wieder eine durchaus interessantere Story, die Spielwelt ist schön groß und grafisch vermittelt die Welt wieder mehr das Empfinden von Höllenpfuhl statt Bällebad. Es gibt sehr viele Dungeons und noch mehr Quests, auf die sich Spieler stürzen können, aber genauso kann man auch gradlinig der Story folgen, um schnellstmöglich Lilith gegenüberzutreten.

Man muss aber auch klar sagen, dass Diablo 4 sowohl technisch als auch spielerisch keine bahnbrechenden Neuerungen macht. Es fühlt sich alles bekannt an, teilweise vielleicht sogar etwas angestaubt. Trotzdem sind die einzelnen Elemente gut umgesetzt und präsentieren ein rundes Spielerlebnis, das nicht nur Fans der Reihe, sondern auch neue Helden rundum zufriedenstellen dürfte.

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