Battlefield Bad Company 2 Test


EA veröffentlichte den jüngsten Teil der Battlefield Reihe: Bad Company 2 heißt der Zögling. Aber kann der Titel überzeugen, die Community beeindrucken? Oder ist es nur ein weiteres BETA-Field?

Der Entwickler Dice brachte die Würfel in Sachen freie Multiplayerwelten mit Battlefield 1942 ins Rollen. Erstmalig konnte man, im Gegensatz zu Counter-Strike, Panzer, Flugzeuge und stationäre Geschütze verwenden, um ordentlich dem gegnerischen Team einzuheizen. Es folgten Battlefield: Vietnam (welches dem Eve of Destruktion Mod den Todesstoß versetzte) und nach dem Vorbild des Dessert Combat Mods Battlefield 2. Die Community war verärgert: Nicht nur, dass die Releasezeit zwischen BF: Vietnam und BF 2 sehr kurz war, sondern es war auch ein unfertiges, mit SecuRom übergesichertes Spiel, das zudem kaum auf den PCs lief. Es wurde gepatched, gewartet und gepatched, bis irgendwann das Spiel so funktionierte, wie man das schon am Anfang erwartet hatte. Derweilen Punktete EA mit Call of Duty 2, sowie Call of Duty Modern Warfare 2. Konsquenz: Die Spieler wanderten zur COD Reihe ab. Nun ist der jüngste Battlefield-Titel vor etwa einem Monat veröffentlicht worden, um den Thron des Multiplayer-Shooter-Königs wieder zurück zu erobern.

Erstmalig Singleplayer
Die augenscheinlichste Neuerung ist das Vorhandensein eines Singelplayer in BF:BC2. Mit der Bad Company geht’s auf die Reise um die Welt, um Terroristen den Gar aus zu machen. Dabei muss der Spieler Missionsziele a la „Nehmen Sie diesen Punkt ein“, „Halten Sie die Stellung bis…“, oder „Zerstören Sie … mit …“ auf speziellen Singleplayer-Karten erfüllen.

Geleitet durch die Story wird der Spieler per Skripts, welche einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Die Story an sich ist nicht die innovativste der Welt, schlicht, aber ausreichend um den Spieler an die Elemente des BF:BC2 heranzuführen.

Was gibt’s neues von der Front?
Diese Elemente sind Neu: Erstmalig in der BF-Reihe können Strukturen auf den Karten weggesprengt werden. So stürzen Häuser unter unserem angeforderten Mörserbeschuss ein, Zäune fallen unter Einwirkung unseres Melee-Angriffs, dem Messerstich, auseinander und deckungs- und tarnungsgebende Bäume werden von unserem Panzer weggeschossen.

Dies funktioniert nicht nur im Singelplayer, auch in Multiplayerpartien lässt sich die Spielwelt kurz und klein schießen. Das verleiht dem Titel taktische Tiefe, die bis jetzt noch kein Multiplayer-Shooter schaffen konnte. Fühlte man sich in den bis jetzt branchenüblichen statischen Häuser als Camper sicher, muss man nun jederzeit damit rechnen, dass eine Panzergranate die sicher geglaubte Wand zerschießt und einen zerfetzt.

Die Klassen sind in BF:BC2 entschlackt worden: Es gibt nun den Sturmsoldat, den Ingenieur, den Sanitäter und den Aufklärer als Klasse. Diese haben unterschiedliche Spezifikationen. Der Sturmsoldat geht standardmäßig mit Sturmgewähr und Granatwerfer in die Schlacht, der Sanitäter gibt Unterstützung mit Medikits, dem Defibrillator, welcher erschossene Kameraden auf’s Spielfeld zurück bringt und dem MG, welches sich hervorragend dazu eignet, feindliche Soldaten in Schach zu halten. Der Ingenieur hingegen zieht mit schallgedämpften Waffen in das Gefecht und gehört eher zum leise eliminierenden Gewerbe. Ferner zieht diese Klasse los, um mit Anti-Panzerwaffen (Minen, Raketenwerfer) oder dem Lötkolben zur Fahrzeugreparatur die Schlacht zu unterstützen. Die letzte Klasse, die Aufklärer sind nicht nur Scharfschütztn, die aus sehr großer Entfernung dem gegnerischen Team das Leben zur Hölle machen, sondern auch Informanten. Sie melden Gegner ans eigene Team und sorgen mit Mörserbeschuss für die ein oder andere unangenehme Überraschung beim gegnerischen Team. Dieses System ist sehr ausgeklügelt, denn BF:BC2 lässt den Spieler die Wahl, in welcher Ebene der Kampfführung man sich bewegen möchte: Im Nahkampf (Sturmsoldaten), im mittleren Distanzkampf (Ingenieur/Sanitäter) oder im Fernkampf (Aufklärer). Alles haben die vier Klassen jedoch gemeinsam: Neben dem Messer für den Mann-gegen-Mann Kampf, tragen sie noch Pistolen mit sich.

Von Gadgets und Beförderung
Eines der wirklich spannenden Elemente aus BF:BC2 ist das Belohnungssystem. Für jeden teilgenommenen Kampf wird der Spieler mit Erfahrungspunkten bewertet. Diese bringen einen zur Beförderung: So kann man als Belohnung z.B. mehr Munition ins Gefecht mitnehmen oder sich schneller bewegen – je nachdem welches Spezialgadget man für die eigene editierbare Klasse verwenden möchte. Allerdings kann nur immer eine Sonderfähigkeit pro Spawn aktiv sein. Es ist also unmöglich mehr Munition mit ins Feld zu nehmen, währen man die schnellere Bewegung aktiviert hat.

BF:BC2 belohnt einen beförderten Spieler auch mit besseren Waffen, wie Pistolen oder anderen klassentypischen Wummen. Weiter haben erfahrene Spieler einen Vorteil: Sie sind meist besser gepanzerter gegen Beschuss. Aber Kritikstimmen dürfen leise bleiben: Selbst der Rookie unter den BF:BC2 Spielern kann es mit einem General aufnehmen, denn die Standardwaffe ist meist die beste Waffe der Klasse. So ist z.B. das Standard Schafschützengewehr das optimalste was Genauigkeit und Durchschlagskraft betrifft, obgleich die Nachladezeit sehr gering ist. Erspielt man sich nun ein neues Schafschützengewehr, so mag dieses vielleicht genauerer treffen als die Standardwaffe, dafür büßt es aber in Sachen Genauigkeit ein. Somit sind erfahrene Hasen nicht die unbesiegbaren Super-Rambos, wie es in anderen Multiplayer-Titeln oft bemängelt wird (COD/WOW).

Und wenn auch schon die Karte zerstörbar ist, bleibt der Effekt für die Geschosse nicht aus: Sämtliche Waffen unterliegen ballistischen Kurven, die Waffen selbst zittern im Korn-und-Kimme-Modus (atembewegungssimulierend), oder das Zielkreuz stobt auseinander bei Bewegung. Generell ist die Zielgenauigkeit im Knien besser als im Laufen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass BF:BC2 es nun nicht mehr erlaubt, sich hinzulegen. Digital Illusion, das Programmierstudio, begründet dies mit den schnelleren Gefechten, die man den Spielern bieten wolle, anstatt in einem liegende-camping Kampf involviert zu sein.
In diesem Zusammenhang wurde der BF:BC2 Fuhrpark entschlackt: Es gibt keine Kampfjets mehr, dafür Helikopter, sowie eine überschaubare Auswahl an Panzer und unbewaffneten Land und Wasserfahrzeugen wie Schlauchbooten und Quads.

Dieses Prinzip funktioniert, denn die Karten sind groß genug, um die Spawnpunkte beider Teams außerhalb der Beschussweite zu halten, aber nah genug bei einander um die Laufwege erträglich zu gestalten, sodass Leerlauf beim Spiel und Langeweile ausgeschlossen sind. Die 8 Multiplayer-Karten spielen sich allesamt taktisch sehr interessant, denn es gibt nur wenig statische Fixpunkte, die für Standardtaktiken Platz lassen. Ist eine Karte prädestiniert für Schafschützen und Fernbeschusskämpfen, so spielt die andere Karte im Winterwald. Nahkampf ist hier besonders wichtig, während Schafschützen aufgrund der Bewaldung kaum Möglichkeit zur freien Sicht haben.

Und welche Mod gibt’s?
Rush: USA und Russland geben sich das Gefecht. Während das eine Team sogenannte M-Com Stationen zu verteidigen versucht, stürmt das andere Team auf diese zu. Es gilt an zwei vordefinierten Punkten Sprengladungen anzubringen, um die Kommunikationseinheiten zu zerstören. Dafür kann auch auf Granaten, Panzer oder Mörserbeschuss zurückgegriffen werden, um die Funkkästen zu zerstören. Wurde dieses Ziel erreicht, wird die Basis, die soeben noch vom verteidigendem Team beschützt worden ist, zur Angriffsbasis der anderen Partei. Die Verteidiger fallen eine Kartensequenz zurück, um die nächsten beiden M-Com-Boxen zu verteidigen. Die ursprüngliche Angriffsbasis wird zum Niemandsland. Die Angreifer können deshalb nicht mehr eine Basis weiter nach hinten gehen, um weitere Fahrzeuge nachzuholen. Wer das Niemandsland betritt stirbt BF-typisch nach 10 Sekunden. Dieser Modus spielt sich sehr strategisch und anspruchsvoll, denn das verteidigende Team hat unendlich Tickets um zu spawnen, während die Angreifer innerhalb eines Kontingents von 70 Respawntickets das Zwischenziel erreichen müssen. Laufen die Tickets aus, verlieren die Angreifer, wurden die ca. 8 M-Com Stationen erfolgreich gesprengt, gewinnen die Aggressoren.

Conquest: Hier handelt es sich um den altbekannten Spielmodus der BF-Reihe: Auf der Karte sind 4 Fahnenpunkte definiert die es einzunehmen und zu halten gilt. Fällt einer dieser Punkte, werden vom Teamkonto Tickets abgezogen bis keine mehr übrig sind und dadurch das Team verliert. Jeder Respawn kostet zudem Tickets.

Squad-Rush: Wer sich in BF:BC2 einem Squad anschließt kann neben den Member dieses Squads direkt ins Gefecht spawnen. Dies ist eine der besten Neuerung in BF:BC2 welche für ein schnelles Spiel sorgt. Bei Squad-Rush müssen ebenfalls zwei M-Com Stationen gesprengt werden. Hier sind die Karten allerdings recht klein, denn nur vier gegen vier Spieler treten gegeneinander an. Sind die beiden M-Com Stationen gesprengt, findet der Seitenwechsel statt.

Squad-DM: 4 Squads (also maximal 16 Spieler) kämpfen um den Titel des besten Squads, indem es gilt, die andern Squads zu eliminieren. Die Karten sind dem Modus angemessen groß, allerdings gibt es nur ein Panzer der allen Teams zur Verfügung stehen. Welches Team diesen Panzer zuerst erobert, erhält einen klaren Vorteil. Dies ist wohl der schnellste Modus dieses Spiels.

Sound und Grafik:
Graphisch ist BF:BC2 auf der Höhe der Zeit. Wer ein langsames System besitzt (PC 2*3,0GHz, 4GB Ram, Radeon 4800+) kann bei einer Auflösung von 1024*786 und mittleren Details in die Schlacht ziehen. High-End-PCs hingegen können sich einer atemberaubender Grafik erfreuen: Große Sichtweiten, Schatten- und Überblendungseffekte, Rauchdarstellung und nahezu realistische Explosionsanimationen verwöhnen das Auge. Nur der schnelle Spieler hat einen Nachteil: Durch die extreme Begrünung der Karten, sind – wie im echten Leben – die Gegner gut getarnt und nahezu unsichtbar. Es fällt schwer, den gegnerischen Standpunkt zu bestimmen, von dem man aus beschossen wird. Abhilfe schafft eine Minikarte und Kill-Cam, diese sind aber bei den meisten Onlineserver deaktiviert.

Ferner trägt zur Atmosphäre der Surround-Sound bei: Die Beschussgeräusche sind realistisch, man kann Gegner nach Gehör orten. Schlägt eine Granate in unmittelbarer Nähe ein, simuliert die Software ein Knalltraumata, für mehrere Sekunden ist man nicht nur wackelig auf den Beinen, sondern auch die Geräuschwahrnehmung ist gedämpft. Und damit das Ganze noch realistischer wirkt, spielt BC:BF2 Schreie, Beschussgeräusche und Kommandorufe mit ein, sodass wir uns beim Testen wie in einer wahren Gefechtssituation fühlen.

Fazit
EA hat einen Titel auf den Markt gebracht, der seinesgleichen sucht. Schnelle Gefechte bei extremer taktischer Tiefe, gepaart mit atemberaubender Grafik, fordern den Freizeit-Mulitiplayer Soldaten heraus. Etwas umständlich: Ein aktiver Steamaccount sowie eine Registrierung bei EA wird für das Spielen benötigt. Der Sound ist atemberaubten, die Gegner sehr gut getarnt: So ein Titel hat seit langem auf dem Markt gefehlt!


Bewertung

91/100
Grafik: (9/10)
Sound: (10/10)
Steuerung: (8/10)
 
Gesamt: (91/100)

Battlefield Bad Company 2 Screenshots

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