Assassin’s Creed 2 Test


Das originale „Assassin’s Creed“ entfachte bei seinem Erscheinen aufgeregte und verbissen geführte Diskussionen. Während einige Rezensenten das Spiel für sein ambitioniertes Design und ausgefallenes Setting lobten, erfuhr es von vielen anderen wegen seiner starren Missionsstruktur und einem Mangel an Abwechslung harsche Kritik. Einig ist man sich im Großen und Ganzen darüber, dass Ubisoft mit dem Titel vieles richtig gemacht, aber letztlich doch eine größere Möglichkeit vertan hat. „Assassin’s Creed“ avancierte trotz der vorhandenen Mängel zum Blockbuster, weshalb man sich die Kritik zu Herzen nahm und mit „Assassin’s Creed 2“ vielleicht das beste Action-Adventure des Jahres 2009 abgeliefert hat.

Neue genetische Erinnerungen
„Assassin’s Creed 2“ macht dort weiter, wo das Original endete. Man schlüpft in die Rolle von Desmond, den Abkömmling einer uralten Gesellschaft der Assassine, welcher von Abstergo Industries, einer modernen Templer-Organisation, gefangen genommen worden war. Man hatte ihn auf der Suche nach Hinweisen auf eine antike und wertvolle Technologie gezwungen, die genetischen Erinnerungen eines Vorfahren zu durchleben. Nachdem ihm mit knapper Not die Flucht gelungen ist, soll er nun den Assassinen dabei helfen, eben jene Technologie zu finden, bevor es die Templer tun. Der Schlüssel dazu liegt in den Erinnerungen von Ezio Auditore, dem Sohn einer Kaufmannsfamilie, welcher in Florenz zur Zeit der Renaissance lebte.

Nach Altair kommt Ezio
Das Storygerüst ist mit einer Spanne von 23 Jahren und einer Jahrhunderte zurück reichenden Verschwörung recht komplex, aber mit genügend Aufmerksamkeit ist es durchaus möglich, den Durchblick zu behalten. Das originale Assassin’s Creed litt teilweise unter Motivationsschwächen, denn nicht jeder mochte sich so recht mit dem arroganten und etwas gesichtslosen Altair anfreunden, der blind jeden Auftrag ausführte. Ezio präsentiert sich da schon etwas ansprechender: Seine Motivationslage ist durchschaubar, er macht Witze und Fehler, flirtet und wächst vor den Augen des Spielers zu einem interessanten Charakter heran, der Vergeltung für die Zerstörung seiner Familie sucht.

Renaissance zum Anfassen
Aber so sympathisch Ezio als Protagonist auch sein mag, der eigentliche Star des Spiels ist das spätmittelalterliche Italien selbst. Von den bunten Straßen Florenz´ über die Kanäle Venedigs bis zu den imposanten Kathedralen Roms – alles macht einen lebendigen und sehr glaubhaften Eindruck. Die Städte sind angefüllt mit Bürgern, Händlern, Dieben, Prostituierten und halbseidenen Figuren, von denen uns viele ihre Hilfe anbieten. Gegen einen Preis natürlich. Der authentische Eindruck wird weiter verstärkt durch die Präsenz von historisch relevanten Figuren, wie z.B. Lorenzo de Medici oder Caterina Sforza, welche alle geschickt in das gelungene Szenario integriert wurden. Natürlich darf auch Leonardo da Vinci nicht fehlen, welcher uns dabei hilft, die zahlreichen mysteriösen Dokumente zu entschlüsseln, die Aufschluss über das Objekt der Templer-Begierde geben könnten.

Abwechslungsreiches Gameplay
Durch Ausrufezeichen auf seiner Landkarte erfahren wir, welches Ziel wir als nächstes ansteuern sollten, wollen wir der Verschwörung auf die Schliche kommen. Den Vorwurf der Eintönigkeit hat Ubisoft offensichtlich ernst genommen, denn der angebotene Mix aus den verschiedenen Missionstypen ist unterhaltend und beugt der durch repetitives Gameplay erzeugten Langeweile erfolgreich vor. Ergänzt wird die Palette durch zahlreiche Nebenmissionen, welche aus zusätzlichen Auftragsmorden oder Rennen bestehen und rein optional sind.

Im Spiel sind außerdem zahlreiche Collectibles versteckt, welche dem Spieler beim Fund entweder einen monetären Gewinn oder bessere Waffen bzw. Rüstungen bescheren. Die Engine, welche das freie Bewegen Ezios in den verschiedenen illustren Plätzen möglich macht, wurde nochmals überarbeitet und ist mehr denn je das Aushängeschild der Serie. Besonders das Klettersystem hat man nachhaltig verbessert, weshalb sich Ezio weitaus geschmeidiger als Altair von Dachvorsprung zu Dachvorsprung bewegt. Außerdem hat Ezio eine Fähigkeit im Gepäck, deren Fehlen im ersten Assassin’s Creed eine der größten Frustrationsquellen darstellte: Er kann schwimmen!

Schaffe schaffe, Häusle baue
Ubisoft ging sogar so weit, ein eigenes Währungssystem in „Assassin’s Creed 2“ einzufügen, auch wenn wahrscheinlich nicht alle Ezios davon Gebrauch machen werden. Es liegt nämlich an jedem selber, ob er sich die Mühe machen möchte, das verfallene Familienanwesen zu restaurieren. Mit steigendem Investment in die Wiederherstellung einstmals prächtiger Bauten, kommen uns Einnahmen zugute, die sich mit der Zeit zu einer hübschen Summe addieren können. Dieses Geld kann zusammen mit den Belohnungen für das Erreichen bestimmter Ziele in neues und besseres Equipment gesteckt werden. Es ist keine revolutionäre Erweiterung, hilft aber dabei, eine stärkere Bindung zum Spiel zu entwickeln.

Knüppel aus dem Sack
Konfrontationen sind zumeist auf die heimtückischen Meuchelein und Ausweichmanöver beschränkt, die man bereits aus dem ersten Teil kennt, ergänzt durch neue Manöver, die das Kampfgeschehen vielseitiger machen. Gekämpft wird wieder mit Messern und Schwertern, mit etwas Glück lassen sich aber auch Äxte, Hämmer oder Stabwaffen finden. Die neuen Waffen erfordern zum einen ein anderes Timing und eröffnen zum anderen weitere taktische Möglichkeiten im Kampf, wie z.B. das Durchbrechen der gegnerischen Deckung mit einer schweren Schlagwaffe. Besonders hilfreich ist die Möglichkeit der Entwaffnung des Gegners, gerade bei gut ausgerüsteten Gegnern kann das Stibitzen einer schlagkräftigen Waffe überlebenswichtig sein.

Ein Genuss für Augen und Ohren
Wenn auch an manchen Stellen hochauflösende Texturen vermisst werden und die Cutscenes zuweilen mit obskuren Clipping Problemen kämpfen, so unterstreicht die beinahe vollkommene Abwesenheit von Tearing doch die hohe Qualität der grafischen Präsentation und garantiert eine lebendige und atmosphärisch dichte Darstellung Italiens zur Zeit der Renaissance. Dazu trägt auch die Framerate bei, die selbst bei Dutzenden Charakteren, die sich gleichzeitig auf dem Bildschirm tummeln, ein immer akzeptables Niveau hält.

Der Soundtrack ist schlichtweg phänomenal und ohne Zweifel der Höhepunkt des bisherigen Schaffens von Komponist Jesper Kyd. Dem stehen die Soundeffekte in Nichts nach, welche die Wirkung des Geschehens dramatisch verstärken. Bis auf wenige Ausnahmen ist auch die Synchronisation als gelungen zu bezeichnen.

Fazit
Selten folgt einem zwar ambitionierten, aber bei weitem nicht fehlerfreien Titel, solch ein Kracher als Nachfolger. Ubisoft Montreal hat nicht nur erfolgreich alle Unzulänglichkeiten des Erstlings ausgemerzt, sondern auch gleich die Messlatte für Spiele dieser Art ein gutes Stück nach oben gedrückt. Das Resultat ist ein Spiel, welches die beeindruckenden Stadtkulissen und die Option des freien Erkundens aus dem ersten Teil mit einer Vielzahl anspruchsvoller Action/RPG Elemente und jeder Menge Flair vermischt. „Assassin’s Creed 2“ offeriert vor beeindruckender Kulisse eine absolut fesselnde Spielerfahrung und ist der Überraschungshit des Jahres 2009.


Bewertung

89/100
Grafik: (9/10)
Sound: (9/10)
Steuerung: (8/10)
 
Gesamt: (89/100)

Assassin’s Creed 2 Screenshots

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